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LinuxSphere.com

Hallo liebe Leser,

heute werde ich mich einen anderem Thema widmen. Heute soll es darum gehen, wie man einem F-10 Satelliten-Modem Beine macht, welches bei der Firma AstraNet im Starterpaket, bei Abschluss eines Jahresvertages beiliegt.

Die Voraussetzungen hierfür sind einfach ein F10-Satellitenmodem mit der 1.5er Firmware von Astranet. Konkret beziehe ich mich auf die PSTN-Variante des Modems, d.h. nicht auf die ISDN-Version. Dort sollte eine solche Beschleunigung auch möglich sein, es müssen aber unter Umständen dann andere Konfigurationsdateien bearbeitet werden.

Das F-10 Satellitenmodem

Quelle: www.27m.se/products/satellite.html

Die Beschleunigung des Modems soll einfach durch Reduzierung der maximalen Paketgrößen erfolgen. Somit erreicht man einen besseren "Ping", also die Reaktionszeit bei entfernten Verbindungen verbessert sich. Normalerweise verschlechtert sich dabei die maximale Übertragungsrate, aber das spielt hier keine Rolle, da ja das Modem die großen Datenpakete über den Satelliten holt. Und ich ändere hier ausschließlich die Einstellungen für die telefonische Verbindung.

Wie habe ich das ganze eigentlich herausgefunden?

Da ich nun mal ein experimentierfreudiger Mensch bin und gerne Computer und deren Netzwerke erforsche habe ich mich in letzer Zeit etwas mit „Sniffing“ beschäftigt. Da ich über ein Netzwerk mit vier Computern verfüge habe meine Sniffer auf verschiedene Punkte im Netzwerk angesetzt und habe diese den Verkehr protokollieren lassen, wobei man nebenbei bemerkt bei Telnet-Sitzungen und FTP-Sitzungen auch die User Namen und Passwords mitloggen kann. Daher warne ich ausdrücklich keine Telnet-Sitzungen zu verwenden, sondern sich auf SSH (Secure Shell) Ebene zu bewegen.

Aber nun zur Sache:
Ich habe also auch einen Sniffer auf mein F10 Modem angesetzt und auf ein mal Verkehr am Port 23 festgestellt, das ist der Telnet Port, was eigentlich nicht sein sollte. Daraufhin habe ich mit Nmap einmal das Modem „gescannt“ und festgestellt, dass der Port 23 offen ist.

Screenshot des NmapFE

Wie man sehen kann, zeigt Nmap das Port 23 eindeutig als offen an. Nun kam mir die Idee, es doch ein mal mit einem Login auf dem Modem zu versuchen. Also,

telnet 192.168.0.99

eingegeben und siehe da:

Telnet Login auf dem F-10

Nun wurde die Sache auf ein mal gaaaaanz interessant. Ich hatte sozusagen eine Möglichkeit entdeckt, mit der man sich auf das Modem einloggen kann. Dafür ist aber die Firmware-Version 1.5 notwendig; bei allen Versionen kleiner als 1.5 ist der Telnet-Daemon noch nicht aktiviert. Was man nun nur noch braucht ist ein Username (root) und das das Passwort. Wie man an dieses kommt hat mir Falk verraten. Er hat ganz einfach das Image, welches sich auf der mitgelieferten CD befindet, die zum Modem gehört gemounted und sich dort ein mal die Passwort Datei etwas „genauer“ angesehen und festgestellt, wie dieses lautet. Das Passwort kann sich jeder Besitzer eines solchen Modems aus diversen Internet-Foren heraussuchen, oder aber auch selber herausfinden. Wer meine Anleitung bis hierher verstanden hat, der bekommt auch ohne Probleme das Passwort heraus. Es ist noch anzumerken, dass Falk das Image schon lange vorher mal aus Spaß gemounted hatte um sich die Struktur des Systems anzuschauen. Das kam mir jetzt sehr zur Hilfe. DANKE AN FALK

Kommen wir nun zum Login mit User und Passwort.

Eingeloggt auf dem F-10 Modem

So sieht die ganze nun also aus, wenn man auf dem Modem eingeloggt ist. Man findet ein vollwertiges Linux System, wie es schon Nmap verraten hatte. Wie man unschwer erkennen kann folgt das Modem dem Prinzip eines ganz normalen PC, eben nur auf Flashspeicher Basis und mit einem anderen Prozessor (ARM).

Die Verzeichnisstruktur des F-10

Nun kann man sich nach Belieben auf dem Modem umschauen und mal die ganze Struktur ein wenig untersuchen. Kaputtmachen kann man erstmal nix, denn die /-Partition ist zunächst Read-Only gemountet. Per default kann man nur in /ram und /flash die Dateien verändern, es sollte aber natürlich nicht willkürlich drin herumgespielt werden. Und somit sollten also nur erfahrene Benutzer dieses Tutorial verwenden um sich auf dem Modem einzuloggen und die weiteren Schritte zu übernehmen. Ich übernehme keine Verantwortung dafür, wenn ihr euer Modem kaputtmacht!

Wie setzen wir jetzt also die neuen maximalen Paketgrößen? Dazu benötigen wir zunächst Schreibzugriff auf die /-Partition. Diesen erreicht man durch die Eingabe von:

# rw

Nun kann man in aller Seelenruhe auf dem Modem Änderungen durchführen. Wir wollten nun ja die maximalen Paketgrößen für den PPP-Daemon anpassen um eine schnellere Reaktionszeit zu erreichen. Dazu öffnet man mit dem VI die Datei /etc/ppp/options mit folgendem Befehl:

# vi /etc/ppp/options

Nun drückt man die Taste i (für den Einfügemodus des VI) und ändert die 1500 bei dem Eintrag mru in eine 296 und fügt noch die Zeile:

mtu 296

hinzu. Damit sagen wir dem Betriebssystem des Modems, dass wir nur maximale Paketgrößen von 256 Bytes erlauben (+40 Bytes für den TCP/IP-Header). Diese kleineren Pakete können nun schneller versendet und empfangen werden, was zur Beschleunigung der Reaktionszeit beim Surfen führt. Im schlimmsten Fall wird der Upload noch ein wenig schlechter als vorher. Das wäre eventuell ein Preis, der für die bessere Reaktionszeit zu zahlen ist. Aber für mich ist das im Moment verschmerzbar. Und vielleicht könnte man sogar ein kleines Skript schreiben,

Nun müssen wir das ganze speichern, indem wir zunächst

ESC

drücken und dann

:wq

eingeben. Nun sind die neuen Einstellungen gespeichert und man kann die Partition wieder auf Read-only stellen mit

#ro

So, nun sollte man bei der nächsten Einwahl ins Internet eine deutliche Verbesserung der Reaktionszeit feststellen.

Vorher:

Die Datei /etc/ppp/optiins unverändert

Nachher:

Die Datei /etc/ppp/options verändert

Das war es auch schon von meiner Seite. Ich wünsche euch nun viel Spaß mit der Anleitung und weise noch ein mal ausdrücklich darauf hin, dass das Verändern der Dateien Schaden machen kann und jeder für sein eigenes Handeln die Verantwortung trägt und ich nicht für potentielle Schäden die Haftung übernehme.

Bei Fragen könnt Ihr Euch an mich wenden.

der_chef@linux-sphere.com Du kannst aber auch das Kontaktformular verwenden.

Falk könnt ihr auch erreichen und zwar über: chef@falk-land.com

Kleiner Hinweis:

Wer's noch nicht wusste: Mit Hilfe des Browsers kann man im Port 2517 auch den Verkehr auslesen. Man kann sich also den aktuellen Datendurchsatz des Modems im zeitlichen Verlauf anzeigen lassen. Also einfach F10:2517 in der Adressleiste des Browsers eingeben. Man benötigt dafür aber Java.

Wo wir gerade dabei sind:
Wie Falk herausgefunden hat, bekommt das Java-Applet diese Traffic-Daten über den Port 1026. Wenn man also möchte, könnte man ein kleines Programm schreiben (z.B. ein Desklet), was einem immer den aktuellen Durchsatz des Modems von diesem Port holt und dann auf dem Desktop anzeigt. Für genauere Informationen über das verwendete Protokoll auf Port 1026 kann man mal den Netzverkehr dazu abhören, wenn man sich das Java-Applet im Browser betrachtet. Falk hat das mal vor langer Zeit gemacht und folgendes herausgefunden:

Wenn man sich mit folgenden Aufruf zum Modem verbindet, kann man sich den Traffic-Status holen:

$ telnet f10 1026

Gibt man nun dort

CONNECT(etcp_received,overall);

ein, erhält man eine ID für den Zugriff auf die Werte. Die Werte selbst holt man nun mit einem

GET(0);

ab (wobei die 0 die Zahl ist, die man in der Graph-List erhalten hat). Aussehen könnte das ganze also so:

Trying 192.168.0.99...
Connected to f10.
Escape character is '^]'.
CONNECT(etcp_received,overall);
GRAPH-LIST((NAME=Received NUMBER=0));
GET(0);
VALUE(0,0,48731);

Falk hatte damals auch mal eine kleine Python-Klasse geschrieben gehabt, die eigentlich das gesamte Satellitenmodem irgendwie steuern sollte (Verbindungsaufbau, Trennen, Traffic-Anzeige, usw.), hatte aber keine Zeit mehr dafür aufbringen können und das ganze ad acta gelegt. Gedacht war es nämlich, ein Desklet für gdesklets zu erstellen, das einem den aktuellen Datendurchsatz immer auf dem Desktophintergrund anzeigt, sowie das Verbinden und Trennen der Verbindung ohne Browser ermöglicht. Vielleicht kann jemand was damit anfangen oder hat Lust, ein solches Desklet zu erstellen, ich stelle es mal hier mal auf Falks Wunsch hinein. Soweit ich sehen kann, ist es nicht vollständig und nach Falks Aussage auch nur ein schneller Hack. Sollte aber dennoch funktionieren. Nur die GET-Methode für den Traffic ist noch nicht implementiert. Wer also was damit anfangen kann, nur zu.

f10.py

Auf mehrmaliges Nachfragen von einigen Lesern dieser Seite, habe ich mich entschieden nun doch ein Tool zu Programmieren, welches die Paketgrößen automatisch verändert. Wann es fertig ist, kann ich noch nicht sagen. Sobald ich es fertig gestellt habe werde ich es auf meiner Webseite zum Download anbieten.